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Archiv für Oktober 2012

Ausschreibung W1 Kulturanthropologie/Volkskunde, Universität Bonn

Mittwoch, 31. Oktober 2012

An der Universität Bonn, Philosophische Fakultät, Institut für Archäologie und Kulturanthropologie, ist eine W1-Professur für Kulturanthropologie/Volkskunde zum 1.4.2013 ausgeschrieben (Bewerbungsfrist 17.12.2012).

Den kompletten Ausschreibungstext finden Sie auf der Website der Universität Bonn unter http://www3.uni-bonn.de/die-universitaet/stellenangebote/professuren

 

CfP 8. dgv-DoktorandInnen-Tagung

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Call for Papers zur 8. dgv-DoktorandInnen-Tagung

 Herzliche Einladung nach Graz zur 8. dgv-DoktorandInnen-Tagung der Europäischen Ethnologie / Volkskunde / Kulturanthropologie / Empirischen Kulturwissenschaft 

Thematischer Fokus: „Sinnliche Ethnographien:  Für eine Reflexion der Rolle sinnlicher Wahrnehmung in kulturanthropologischen Forschungen“

 Wann: 10. bis 12. Mai 2013
Wo: Institut für Volkskunde und Kulturanthropologie, Universität Graz Deadline für Anmeldungen: 17.2.2013

Mit der Tagung wollen wir für NachwuchswissenschaftlerInnen aus dem Vielnamenfach Europäische Ethnologie / Volkskunde / Kulturanthropologie / Empirische Kulturwissenschaft sowie für Interessierte aus anderen Disziplinen einen professionell-wissenschaftlichen und zugleich kollegial-unterstützenden Rahmen schaffen, um aktuelle Konzepte und Perspektiven der kulturwissenschaftlichen Forschung zu diskutieren. Gegenseitige Unterstützung und Anregung rund um die Herausforderungen von Materialerhebung, Analyse und Verschriftlichung sollen wieder das Herzstück der Tagung bilden.

Neben den thematisch offenen Panels, wo alle Berichte und Fragen an und über die Arbeit an der eigenen Dissertation sowie Kurzpräsentationen von Konzeptideen und Forschungsergebnisse Platz haben, wird es erstmals auch einen fokussierten Schwerpunkt  geben. Hierzu laden wir alle KollegInnen ein, ihre Forschungsprojekte und -erfahrungen auf die Rolle der sinnlichen Wahrnehmung hin zu befragen.

Zum thematischen Fokus „Sinnliche Ethnographien“ können folgende Punkte als Orientierung dienen:

– methodische Annäherungen an Bereiche der Alltagserfahrung, die nicht oder nur schwer verbalisiert werden können oder oftmals einfach übergangen werden

– die Rolle von Gefühlen und Sinneseindrücken für Verstehensprozesse

– Sinnliche Wahrnehmungsweisen und intuitives Forschungshandeln

– Historische Einbettung von Sinneseindrücken und Gefühlen

– Sinnliche Wahrnehmung im Kontext von Forschungen zu Ästhetik, Technik oder Materialität

– …..

 

Programm:

Neben den Panels mit Vorträgen der DoktorandInnen wird Dr. Kerstin Leder-Mackley von der School of Social, Political and Geographical Sciences der Loughborough University (UK) die Keynote Lecture halten. Sie wird anhand von Beispielen aus ihren Forschungsprojekten mit Sarah Pink über theoretische und methodologische Grundlagen der „sensory ethnography“ sprechen.

Hilfreiche Workshops für die Dissertationsphase, für die wir gerne noch Anregungen entgegen nehmen, sowie ein kulinarisch-kulturelles Rahmenprogramm runden die Tagung ab.

 

Mögliche Formen der Teilnahme:

Wir freuen uns sowohl auf Beiträge, die den Fokus der Tagung aufgreifen, als auch auf Vorträge über Dissertationsprojekte zu allen anderen Themen.

Herzlich möchten wir auch KollegInnen einladen, die ihre Forschungen (noch) nicht präsentieren wollen, aber an Vernetzung, Unterstützung und Diskussionen interessiert sind. Allen Vortragenden stehen insgesamt 30 Minuten für Präsentation inklusive Diskussion zur Verfügung.

 

Abstracts & Anmeldung:

Die Anmeldung erfolgt per Mail an doktagung2013@gmail.com bis 17.2.2013. Mit der Bestätigung der Anmeldung werden die Daten zur Überweisung des Tagungsbeitrags von 25 Euro übermittelt. Alle TeilnehmerInnen bitten wir bei der Anmeldung um Mitsendung eines kurzen Abstracts (max. 400 Wörter) zu ihrem Dissertationsvorhaben oder zum geplanten Beitrag. Da wieder ein Reader geplant ist, in dem auch die TeilnehmerInnen, die nicht vortragen, über ihre Dissertationsprojekte informieren, bitten wir alle zudem um kurze biographische Angaben und ggf. ein Foto.

Weitere Angaben und Informationen (zur Orientierung in Graz, zur Anreise und Tipps für Unterkunftsmöglichkeiten) werden in Kürze auf der Tagungshomepage unter http://doktagung2013.blogspot.co.at/ zu finden sein.

Wir bemühen uns um Förderungen, die zur Finanzierung von Unterkunft und Anreise von TeilnehmerInnen, die sich den Weg nach Graz sonst nur schwer leisten können.

Insgesamt lebt die DoktorandInnen-Tagung von der aktiven Beteiligung aller Teilnehmenden. Anregungen und Programmwünsche werden deshalb sehr gern angenommen. Wir freuen uns auf eine schöne, erfolgreiche, motivierende und inspirierende Tagung mit Euch!

 

 Kontakt: doktagung2013@gmail.com

http://doktagung2013.blogspot.co.at/

Tel. Auskünfte bei
Johanna Stadlbauer +43(316) 380-2580
Institut für Volkskunde und Kulturanthropologie Karl-Franzens-Universität Graz Attemsgasse 25/I, 8010 Graz

Tagung: ZWISCHEN OBJEKT, TEXT, BILD UND PERFORMANCE, Berlin 30.11. / 1.12.2012

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Die Gesellschaft für Ethnographie lädt gemeinsam mit dem Institut für Europäische Ethnologie, HU, und dem Lateinamerika-Institut, Freie Universität Berlin, herzlich zu folgender Tagung ein:

ZWISCHEN OBJEKT, TEXT, BILD UND PERFORMANCE: REPRÄSENTATIONSPRAKTIKEN ETHNOGRAPHISCHEN WISSENS

30.11.2012 – 01.12.2012

Seit jeher werden ethnographische Inhalte neben ihrer akademischen, zumeist an den Text gebundenen Verarbeitung auch für ein breiteres Publikum aufbereitet, inszeniert und in (audio-) visuelle Medien überführt. Museen, Ausstellungen und Festivals setzen neben den Objekten selbst auf Ton- und Film-Features, künstlerische Arbeiten wie Installationen und Performances oder Fotografie für eine öffentlichkeitswirksame Aufarbeitung ethnographischen Wissens. Im Zuge der postmodernen Reflektion über die Autor/innenschaft von Wissen (Clifford/Marcus 1986) und der postkolonialen Kritik an historisch festgelegten Repräsentationsregimen im „Westen“ in Bezug auf den globalen „Rest“ (Hall 1992; Said 1978, 1989) in Wissenschaft und Kunst erfolgte eine breite Debatte über Repräsentationshoheit, -formen, -inhalte und ihre Vermittlungspraktiken. Wie sich der postmoderne Paradigmenwechsel in der Konzeption und Darstellung ethnographischer Forschung anschließend niedergeschlagen hat, haben nachfolgende Tagungen und Veröffentlichungen aufgezeigt (vgl. „after writing culture“, James/Hockey/Dawson 1997). Offen bleibt jedoch, inwieweit Forderungen der postkolonialen Kritik Eingang in die bis dato etablierten sowie neuen Repräsentationspraktiken ethnographischen Wissens gefunden haben.

Rund 25 Jahre nach dem Paradigmenwechsel möchten wir die von postmoderner und postkolonialer Kritik aufgeworfenen Fragen nach den Möglichkeiten und Grenzen sowie Mächtigkeiten und Ohnmächtigkeiten ethnographischer Repräsentationsformen und -praktiken erneut stellen und diese vor dem Hintergrund ihrer Diversifizierung reflektieren. So rückt in der gegenwärtigen globalisierten Welt das Interesse am kulturell Partikularem wieder verstärkt in den Vordergrund sowie dessen Inszenierung in wissensorientierten „Konsumlandschaften“, wie Museen und Galerien, dem Internet, Kino und Fernsehen. Zudem rahmten und beeinflussten in den letzten beiden Jahrzehnten zugleich technologische Entwicklungen verstärkt die Erfassung, Speicherung und Wiedergabe von Informationen sowie die Zugänge, Interaktion und Überlagerung von virtuellen mit real-sozialen Welten (Handykameras, youtube, Internet-Foren). Diese Medien ermöglichten neue Formen und Orte der Repräsentation, die in Bezug auf ihren demokratischeren Zugang sowie ihre subversiven und widerständigen Nutzungsmöglichkeiten hin diskutiert, aber auch auf ihre Konsumption hin untersucht werden. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf die Art der Darstellung, sondern auch auf das Repräsentierte selbst, was wiederum veränderte Rezeptions- und Konsumgewohnheiten zur Folge haben könnte.

Die Tagung der Gesellschaft für Ethnographie vom 30.11. bis 01.12.2012 wird sich ausgehend von diesen Überlegungen mit aktuellen Repräsentationspraktiken ethnographischen Wissens zwischen Objekt, Text, Bild und Performance auseinandersetzen.

Informationen: http://www.gfe-online.org/cms2/

 Kontakt: gfe-tagung-2012@gfe-online.org

Bitte melden Sie sich per Mail an. Es wird eine Teilnahmegebühr erhoben.

TAGUNGSPROGRAMM:  http://www.gfe-online.org/cms2/index.php/event_reader_archiv/events/objekt-text-bild-performance.html#Tagungsprogramm2012

HIN UND HER – Grundfragen des Dialogischen an Museen zur Alltagskultur

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Kommission Sachkulturforschung und Museum in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde

Tagung 2012
HIN UND HER – Grundfragen des Dialogischen an Museen zur Alltagskultur

Museum der Alltagskultur – Schloss Waldenbuch
Donnerstag, 29. November bis Samstag, 1. Dezember 2012
http://www.landesstelle.de/index.php/neuigkeit/items/362.html

Museen zur Alltagskultur sind Orte von Dialogen und Interaktionen, von ganz spezifischen Begegnungen vergangener Lebens- und Dingwelten mit gegenwärtigen Besucher- und Nutzerwelten. Sie unterscheiden sich darin von anderen Museen – im Wieder- und Neu- Entdecken, Befragen, Erinnern, Begreifen. Auf der Arbeitstagung „HIN UND HER – Grundfragen des Dialogischen an Museen zur Alltagskultur“ soll das Thema des Dialogs zwischen Mensch und Ding im Museum weit gefasst sein. Es soll gefragt werden nach emotionalen und rationalen Wahrnehmungsprozessen, nach explorativen und kognitiven Museumserlebnissen und nach Konzepten, Annahmen und Erfahrungen aus Ausstellungen und Projekten.

Wissend um die Diversität, um Stärken und Schwächen der Museen zur Alltagskultur und um ihre (möglichen) gesellschaftlichen Bedeutungen und Chancen lohnt es, neue Erkenntnisse, Haltungen und Realisationen zu betrachten und zu prüfen. Bei dieser Tagung sollen Schlaglichter auf grundsätzliche Aspekte geworfen werden, denen sonst ganze Tagungen gewidmet sind, hier aber übergreifend zu diskutieren wären, um volkskundlich-museale Arbeit gegebenenfalls neu zu basieren.

Die Tagung versteht sich als Arbeitstagung: Vorträgen auch zu außermusealer Forschung und Praxis wie Neurobiologie/Wahrnehmungspsychologie und Kommunikationsdesign/Szenografie stehen Kurzreferate aus aktuellen Ausstellungen und Projekten gegenüber, die Material, Erfahrungen und Thesen für Diskussionen und Positionsbestimmungen bieten.

Das Museum der Alltagskultur – Schloss Waldenbuch hat eine Erneuerung seiner ständigen Präsentationen begonnen. Zur Tagung wird der zweite Erneuerungsabschnitt eröffnet sein.

Programm: http://www.landesstelle.de/tl_files/media/File/Tagungen/Programm_Waldenbuch.pdf

cfp: „Körper-Technologien“, Göttingen 2013

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Mit diesem Call laden wir euch herzlichst ein zur 14. Arbeitstagung der Kommission für Frauen- und Geschlechterforschung in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde zum Thema „Körper-technologien – Ethnografische und gendertheoretische Perspektiven auf die Refigurationen des Körperlichen

Termin: 12.-14.7.2013  
Ort: Universität Göttingen

Die Vorbereitungsgruppe freut sich über die Einsendung von Vorträgen, Workshops und neuen kreativen Formaten bis zum 30.1.2013!

Bitte senden Sie Ihre Proposals an: shess[at]uni-goettingen.de

 

Auszüge aus dem Call:

In einer der zahlreichen Publikationen zu „Körper und Geschlecht“, die in den letzten Jahren vor allem aus soziologischer Perspektive zu dem Themenkomplex erschienen sind, konstatiert Julia Reuter (2011) einen „allseits gefeierten ‚body boom‘“. Neben den Gender Studies hätten vor allem die Medizin- und Wissenssoziologie, wie auch die Sport-, Medien-, Gewalt- und Ungleichheitssoziologie in den letzten Jahren den Körper als Untersuchungsfeld entdeckt und bearbeitet. Auch Paula Villa spricht in der 3. Auflage von „Sexy Bodies“ (2006) von einem „regelrechten ‚Boom‘“ der wissenschaftlichen Literatur zum Körper und bezieht sich hier dezidiert auch auf historische und kulturanthropologische Arbeiten (ebd., 17). 

Dieser Boom ist angesichts der öffentlichen Debatten und Bilderwelten nicht überraschend, in denen der Körper zwar nicht mehr nur als junger, aber doch meist als fitter und gesunder Körper omnipräsent ist. Im Zentrum medialer Aufmerksamkeit steht dabei die zunehmende Form- und Gestaltbarkeit, die eng an Forderungen nach Selbstoptimierung und Selbstsorge gekoppelt ist. Der „Gesundheitskörper“ ist ebenso Verheißung auf ein langes Leben wie Drohung: Er verpflichtet zu immer neuen Selbstbeobachtungen, Gesund-Leben-Maßnahmen, medizinischen Früherkennungs-programmen und Visualisierungstechnologien, ob im embryonalen Zustand (pränatale Diagnostik), im „besten Arbeitsalter“ (Burn-out) oder im „hohen Alter“.

Doch der Befund, dass der Körper seines biologischen „Schicksals“ zunehmend enthoben zu sein scheint, ist mehrdeutig. Denn Formbarkeit meint auch einen variableren und situativen performativen Einsatz von Körpern, wie er etwa in subkulturellen Szenen und in Transgender- Praktiken zum Ausdruck kommt. Die Entnaturalisierung des Körpers ist eng verbunden mit einem ambivalenten Set von Dynamiken, die einerseits zu dessen Medikalisierung, Kommerzialisierung und Mediatisierung führen, andererseits aber auch die Regime der Rassifizierung und Vergeschlechtlichung des Körpers herausfordern und performativ unterlaufen (und hierzu auch die neuen Körpertechnologien und die Konsumkultur weidlich und eigensinnig nutzen).

Die sozial- und kulturwissenschaftliche Forschung hat auf diese Befunde mit neuen Körperkonzeptionen reagiert. In dem Maß, in dem die Haut ihre Funktion der Begrenzung verloren hat, sollte – so schlagen etwa die Kulturanthropologinnen Judith Farquhar und Margaret Lock vor – von vielen, lokalen Körpern gesprochen werden. Dies würde eine  Abkehr von modernen, normierten Körpervorstellungen eines „body proper“ ermöglichen.

Doch wie sieht es mit dem ‚body boom’ im Bereich der Volkskunde_Europäischen Ethnologie_Kulturanthropologie aus? Wie wird hier über Körper und Körper-Technologien nachgedacht? Zwar gilt der Körper auch hier – etwa in der Kleidungs- und Nahrungsforschung oder der Alltags- und Konsumkulturforschung – als eine zentrale Referenz. Dennoch ist es nach den letzten großen gendertheoretischen Kontroversen zu Beginn der 1990er Jahre zwischen radikal-konstruktivistischen Ansätzen in Nachfolge Judith Butlers und leibestheoretischen Einwänden wie etwa von Barbara Duden in diesem Forschungsfeld ruhiger geworden. Der Körper läuft quasi eher am Rande der fachlichen Frauen- und Genderforschung mit. In den sozial- und kulturanthropologischen Science and Technology Studies, die hierzulande insbesondere im Bereich von Medizin und Lebenswissenschaften diskutiert werden, und in den Queer Studies ist der „Körper“ allerdings auch konzeptionell ein produktiver Unruheherd für neue Fragen und Forschungszugänge geblieben.

Dabei hat das Vielnamenfach für die Körperdiskussion einiges zu bieten: So haben schon frühe sozial- und kulturanthropologische Arbeiten den Körper als „kultivierte Natur“ (Marcel Mauss) konzipiert und dem Kultur-Natur-Dualismus eine Absage erteilt. Zudem haben die kultur-vergleichende Vorgehensweise und die ethnografischen, praxeologischen Forschungsansätze das Potenzial, zwischen den polarisierten Konzeptualisierungen von Körper als Leiblichkeit/subjektive Erfahrung einerseits und Körper als Diskurs/Konstrukt andererseits zu vermitteln. Gerade praxis-orientierte Herangehensweisen verweisen auf das widerspruchsvolle „doing body“. Sie zeigen, wie Normierungsverfahren und Diskurse sich in alltäglichen Mikropraktiken umsetzen müssen, um „wahr“ zu werden, und wie die Akteure dabei „reflexiv“ und „eigensinnig“ mit Anforderungen und Möglichkeiten umgehen. Zudem liefert die Kulturanthropologie der Sinne und Emotionen wichtige Impulse für die Analyse sinnlicher, affektiver und leiblicher Aspekte des Körper-Seins.

Vor dem Hintergrund dieses breit gespannten Bogens lädt die Kommission Frauen- und Geschlechterforschung zu einem Überdenken der kulturanthropologischen Körperforschung ein. Dazu wollen wir anhand von Beispielen vielfältiger lokaler – historischer wie gegenwärtiger – Körperpraktiken alte und neue Ansätze und Konzeptualisierungen des Faches sichten und nach den Potenzialen und Grenzen ethnografischer und historisch-kulturanalytischer Vorgehensweisen fragen. Gender verstehen wir hierbei selbstredend als analytische Kategorie, die sich immer im Wechselverhältnis mit anderen Dimensionen der Macht artikuliert.

Der Begriff Körper-Technologien soll dabei helfen, die in den Gender Studies auf Fragen nach dem Zusammenhang von Körper und Geschlecht sowie nach Inszenierungsphänomenen eng geführte Debatte (Lindemann, Villa, Reuter etc.) auszuweiten und zugleich zu fokussieren:

Ausweiten wollen wir das Themenspektrum insofern, als wir auch die auf den ersten Blick „körper-fernen“ Bereiche ansprechen, wie bspw. die aktuelle Arbeits- und Medien(nutzungs)forschung. Fokussieren möchten wir mit Hilfe des Begriffs der Körper-Technologien zum einen auf körperbezogene genderanalytische Forschungen, die sich auf Bereiche und Praktiken konzentrieren, in denen mit Hilfe technischer Geräte, Anordnungen und darauf beruhenden Wissensformaten auf Körper zugegriffen wird, um sie zu erweitern und dabei den Körper (unsere Ideen von und Umgangsweisen mit ihm) zu re-konfigurieren und zu modifizieren. Zum anderen wollen wir damit für eine dezidiert macht- und subjekttheoretische Perspektive plädieren, wie etwa im Sinne von Michel Foucaults Konzepten der „Biopolitik“ und der „Technologien des Selbst“.

Die Beiträge können folgende thematischen, theoretischen und/oder methodologischen Fragestellungen aufgreifen:

–              Was ist der Körper der Volkskunde_Europäischen Ethnologie_Kulturanthropologie? Hier stehen Erkenntnisse, Gegenstandskonstruktionen und theoretische sowie methodische Vorgehensweisen und (aktuelle wie historische) Körper-Konzepte volkskundlicher_europäisch ethnologischer_ kulturanthro-pologischer genderanalytischer Körperforschung im Zentrum.

–              Wo bleiben die Körper in den neueren gesellschaftlichen Umbrüchen, Krisen und Umstrukturierungen? Welche neuen Körper werden in den verschiedenen kulturellen und gesellschaftlichen Bereichen der Arbeitswelt, des Rassismus, der Versicherheitlichung, der Medikalisierung, der Biometrisierung, der Gentri-fizierung, der Integrationsdebatten – um nur einige Felder zu benennen – gefordert, gefördert, verworfen und praktiziert? Wie verkörpern sich neue Verhältnissetzungen und gesellschaftliche Prozesse (z.B. Prekarisierung) und wie werden hierbei Körper und Wissen aufeinander bezogen?

–              Wie artikulieren sich (aktuelle und historische) widerständige, queere Körper(praktiken)? Wie lässt sich Veränderung zwischen den Kräften der Normierung und Zurichtung und widerständigen Praktiken des Entgehens, Meidens bis hin zu offenem Widerstand denken?

–              Was sind die Körper(praktiken) der Ethnografie, der kulturanthropologischen Erkenntnis-weisen von der historisch-archivalischen Forschung bis hin zur Feldforschung im Sinne von Inskription und Teilnahme? Welche Sinne und körperlichen Praktiken werden vom ethnografischen Erkenntnismodus privilegiert und welche kulturellen Wissensordnungen entstehen hierbei? Und wie kommt der Körper der Forschenden in den Text?

Bei der geplanten Tagung sollen Diskussionen und wechselseitige Kommentierungen im Zentrum stehen. Deswegen sind neben „klassischen Vortragsformaten“ auch Kurzpräsentationen, Kommentare, Streitgespräche und anderes geplant. Vorschläge für Workshops oder andere Formate der Diskussion sind ausdrücklich erwünscht!

 

Zu den Abstracts:

Wir freuen uns über Vorschläge für Vorträge und/oder Workshops aus allen empirisch arbeitenden Sozial- und Kulturwissenschaften. Die Abstracts in einer Länge von max. 2000 Zeichen sollen Fragestellung, empirischen Hintergrund und Thesen deutlich machen sowie kurze Angaben zur Person enthalten.

 

Konzeption und Organisation:

Kommission Frauen- und Geschlechterforschung der dgv: Sabine Hess

Vorbereitungsgruppe des Instituts für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie, Göttingen: Katrin Amelang, Christine Hämmerling, Sabine Hess, Nora Kühnert, Anna-Carolina Vogel, Nadine Wagener-Böck

Vorbereitungsgruppe des Instituts für Europäische Ethnologie, HU: Beate Binder, Sven Bergmann, Friedrich von Bose, Nadine Heymann, Anika Keinz, Martina Klausner, Michi Knecht, Alik Mazukatow, Kelly Mulvaney, Eva Kristin Stein

SUBJEKTBEGRIFFE DER EUROPÄISCHEN ETHNOLOGIE, WORKSHOP 13.-14.12.2012

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Göttingen, Tagungszentrum an der Sternwarte, Geismar Landstraße 11, 37083
Göttingen

Das Subjekt nahm und nimmt in Theorie und Methodik europäisch-ethnologischer Forschung eine zentrale Rolle ein. Diese Aussage über die Orientierung des Faches am Subjekt wird wohl von den meisten seiner Vertreterinnen und
Vertretern geteilt. Allerdings wirft sie die Frage nach den spezifischen Konzeptualisierungen des Begriffes auf. Gerade hinsichtlich der postmodernen Aufhebung des bürgerlichen Subjektes und der diskursanalytischen Begrenzung
subjektiver Handlungs- und Deutungsspielräume  bei gleichzeitiger Beibehaltung und (Weiter-)Entwicklung subjekt-zentrierter Ansätze in den unterschiedlichen Forschungsfeldern der Europäischen Ethnologie stellt sich
das Problem der theoretischen und pragmatischen Vereinbarkeit unterschiedlicher Subjektbegriffe.

Diskutant: Prof. Dr. em. Johannes Fabian

Weitere Informationen: http://subjektbegriffe.stefangroth.com

Kontakt (E-Mail): sgroth at gwdg de

Bitte melden Sie sich bis zum 1.12.2012 per E-Mail oder über das Kontaktformular auf der Homepage an. Es wird eine Teilnahmegebühr von 10 EUR (5 EUR ermäßigt) erhoben.

Programm:

DONNERSTAG, 13.12.2012

14:00-14:30
Begrüßung und Einführung: Das Subjekt in der Europäischen Ethnologie (Nadine
Wagener-Böck, Stefan Groth)

PANEL 1: INTERVIEWS

14:30-15:45
Subjektivierungsformen im qualitativen Interview (Christine Öldorp, Zürich)

Wer spricht? Anmerkungen zum Subjektverständnis der
volkskundlich-kulturwissenschaftlichen Biographie- und Interviewforschung
(Gerrit Herlyn, Hamburg)

PANEL 2: SEMIOTIK

16:00-18:00
Sprache und Anerkennung: Die Verortung von Subjekten in Diskursen (Stefan
Groth, Göttingen)

„Ethnographie der EthnologInnen“: WissenschaftlerInnen als Subjekte der
Forschung (Julia Butschatskaja, Sankt Petersburg)

Visual Kei: Praxen von Körper und Geschlecht in einer translokalen Subkultur
(Nadine Heymann, Berlin)

19:00
Abendessen

FREITAG, 14.12.2012

PANEL 3: PSYCHOANALYSE

09:00-10:45
Das Subjekt ist tot, es lebe das Subjekt (Thomas Dörfler, Göttingen)

Konfigurationen der Subjektivität bei Utz Jeggle, Pierre Bourdieu & Jacques
Lacan (Jochen Bonz, Bremen)

Reflexive Subjektivität als Erkenntnisinstrument Europäischer Ethnologie:
Ethnopsychoanalytische Verfahren und ihre Anwendung in
migrations-spezifischen Forschungskontexten (Antje Krüger, Bremen)

PANEL 4: DISPOSITIVE

11:00-12:15
Subjektpositionen und die Multitude (Andreas Schmidt, Kiel)

Was bin ich? Oder: Das Subjekt als Leerstelle? (Martina Röthl, Innsbruck)

12:15
Mittagspause

PANEL 5: MIGRATION

13:15-14:30
Renewals: The Making and Unmaking of Non-Violent Selves (Erdem Evren, Berlin)

Migrations- statt Migrant_innen-Forschung!? Zur doppelten Dezentrierung des
ethnischen Robinson-Subjekts in der Migrationsforschung (Maria Schwertl,
Göttingen)

14:45-15:45
ABSCHLUSSDISKUSSION

CfP TAGUNG KRIEG & TOURISMUS, Touriseum/Meran/Südtirol (Deadline: 01.03.2013)

Mittwoch, 31. Oktober 2012

„Call for papers“

„Krieg & Tourismus“ im Spannungsfeld des Ersten Weltkrieges 

Veranstalter:     Touriseum – Südtiroler Landesmuseum für Tourismus
Datum, Ort: 07.-09.11.2013, Meran, Schloss Trauttmansdorff (Südtirol/Italien)
Deadline:   01.03.2013

Das Südtiroler Landesmuseum für Tourismus in Meran, kurz Touriseum, behandelt das für Südtirol zentrale Phänomen Tourismus in seinen zahlreichen Facetten. Das Museum vermittelt, wie der Tourismus als Branche funktioniert, wie Reisende und Bereiste zum Entstehen und zur Veränderung einer touristischen Region beitragen. Das Museum will aber auch zeigen, wie Südtirol zu der touristischen Region geworden ist, die sie heute ist.

Als Vorbereitung und zur Erweiterung der Perspektiven für eine Sonderausstellung 2015 zum Thema „Krieg & Tourismus“ soll eine Tagung dienen, die den Einfluss des Ersten Weltkrieges auf die Entwicklung des Tourismus im Alpenraum in den Blick nimmt. Der Schwerpunkt der Tagung soll hierbei das Gebiet des historischen Tirols umfassen. Vergleichsstudien und Beiträge, die einen der drei folgenden Themenkomplexe für andere Gebiete der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie beleuchten, sind auch willkommen:

Folgende drei Themenbereiche sollen behandelt werden:

• Produktion von Infrastrukturen und deren Folgewirkungen Die Mitsprache des Militärs beim Aufbau der touristischen Infrastruktur vor dem Ersten Weltkrieg. Welche Schutzhütten, Straßen, Eisenbahnlinien und sonstigen Raumerschließungen wurden vom Militär angestoßen oder hintertrieben? Auch bei diversen technischen Entwicklungen, etwa im Seilbahnwesen oder Skifahren, spielten militärstrategische Überlegungen eine wichtige Rolle: Im Vorfeld und im Ersten Weltkrieg anwendungsorientiert bei geringer Mittelausstattung erprobt, erfolgte in den ersten Nachkriegsjahren die Weiterentwicklung zur touristischen Nutzung.

• Auswirkungen des Ersten Weltkrieges auf touristisch erschlossene Gebiete Ehemalige Urlaubs- und Erholungsgebiete wurden plötzlich zu Front- und Grenzräumen, im Hinterland wurden Kur- und Tourismusorte kurzerhand zu Lazarettstädten umfunktioniert. Bestehende Destinationen und Beherbergungsbetriebe wurden devastiert oder vollkommen zerstört. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden ehemalige Kriegsbahnen zum Rückgrat für einen erstaunlich schnell wieder auflebenden Fremdenverkehr. Besonders in den Dolomiten wurden einige der ursprünglich vom Militär vorangetriebenen Versorgungswege zu beliebten Aussichtsstraßen, Bahnstrecken und Wanderwegen.

• „Touristische“ Erfahrungen der Soldaten Für viele Soldaten war der Einsatz in Frontgebieten, die weit von ihrer Heimat entfernt lagen, oft der erste Kontakt mit fremden Kulturen. In den meisten Fällen war es ihre erste Reise überhaupt. Die Kriegserfahrungen führten nicht nur zu einem Anstieg der schriftlichen Reflexion über Fremde(s) und Front (etwa Feldpostkarten), „Krieg machte auch reisen“, sondern ließ auch die private „Bilder-Knipserei“ sowie die „Souvenirflut“ ansteigen.

 

Für Südtirol bedeutete der Erste Weltkrieg und sein Ausgang eine radikale Zäsur. Das Land südlich des Brenners wurde vom „Südbalkon der Habsburgermonarchie“ zur nördlichsten Provinz Italiens. Die Militarisierung des Gebietes von Seiten des österreichischen Heeres hatte aber bereits im 19. Jahrhundert begonnen. Mit dem Kriegseintritt Italiens 1915 wurde Tirol vom Erholungsgebiet zum Kriegsschauplatz: Stacheldraht und Militärbaracken säumten die ehemaligen Ausflugs- und Bergsteigerziele – vom Ortler bis in die Sextner Dolomiten.

Der Tourismus kam zum Erliegen: Hotels, Gastbetriebe und Schutzhütten leerten sich schlagartig. Hotels und Pensionen wurden den Offizieren und zum Teil auch den Soldaten als Quartiere zugeteilt. Größere Hotels wurden mit Andauern der Kriegshandlungen zu Lazaretten umfunktioniert. Für Hoteliers und Wirte, deren Häuser in der Schusslinie standen, brach über Nacht zusammen, was sie in Jahrzehnten mühsam aufgebaut hatten.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Kriegsbahnen der Dolomiten zum Rückgrat für einen erstaunlich schnell wieder auflebenden Fremdenverkehr. Wo die Kämpfe einst besonders heftig geführt wurden, eroberte sich der Tourismus umso wirkungsvoller das Erholungsgebiet zurück.

Die Tagung im Südtiroler Landesmuseum für Tourismus in Meran wird vom 7. bis 9. November 2013 unter der wissenschaftlichen Leitung von Univ.-Prof. Mag. Dr. Gunda Barth-Scalmani (Universität Innsbruck) stattfinden. Die Konferenzsprachen sind Deutsch und Italienisch (Simultanübersetzung).

InteressentInnen werden gebeten, bis zum 1. März 2013 Vorschläge für Tagungsbeiträge in Form eines höchstens 2.000 Anschläge langen Abstracts – inklusive des geplanten Vortragstitels sowie einen Kurzlebenslauf – an patrick.gasser[at]touriseum.it zu schicken. Bis spätestens 31. Mai 2013 erfolgt die Benachrichtigung, ob der Vorschlag akzeptiert worden ist. Die Vorträge sollten eine Länge von 25 Minuten nicht überschreiten. Die Beiträge der Referenten und Referentinnen werden im Tagungsband bzw. in der Studienreihe des Museums veröffentlicht und mit einem Abstract in englischer Sprache versehen. Voraussetzung für die Teilnahme an der Tagung und für die Aufnahme des Beitrages im Tagungsband ist die Abgabe der vollständigen Beiträge für den Tagungsband vor der Tagung selbst und zwar bis zum 25. Oktober 2013.